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Sonntag, 4. März 2018

Aktienbewertung Anhand Von Dividendenkennzahlen

Man kann Aktien auf verschiedenen Wegen analysieren und bewerten. Das erfordert relativ gute Kenntnisse und ist für Anfänger teilweise überfordernd.

Es gibt aber aus meiner Sicht eine Methode, Aktien auf relativ einfache Art zu bewerten, vorausgesetzt, man möchte eine Dividendenstrategie fahren. Das bedeutet, dass man Aktien mit dem Ziel kauft, dauerhaft mit Dividenden Rendite zu machen und die Aktien nicht mehr zu verkaufen.

Wenn das also deine Strategie ist, dann schau dir meine Methode der Aktienbewertung an...


Aktienbewertung mit Dividendenmerkmalen



Eine Aktie zu bewerten, bedeutet nach meiner Vorstellung, zu analysieren, ob eine Aktie "fair bewertet" oder "günstig" ist. In anderen Worten, ob sie kaufenswert ist. Ich tue mich schwer damit, Aktien zu bewerten, die ich nur in Hinblick auf eine Kurssteigerung einschätzen soll, denn was ist, wenn eine Krise mögliche Kursgewinne auf Jahre hinauszögert?

Mir sind Dividendenrenditen wichtiger. Deshalb halte ich es für sinnvoll, Aktien in Bezug auf Dividenden zu bewerten. Da kann ich selbst in Krisenzeiten mit Renditen rechnen. Im Gegenzug sehe ich mein eingesetztes Kapital als "verloren" an, denn ich erwarte nicht, den Geldbetrag für den Kauf der Aktien zurückzubekommen, ich will nur auf Jahre gesehen Geldbeträge in Form von steigenden Dividenden, ohne dass ich meine Aktien gegen das Original-Kapital wieder eintauschen muss.

Wie aber bewerte ich? Es ist wie bei einem Koordinatensystem. Wenn man eine X-Achse und eine Y-Achse hat, reicht ein einzelner Wert nicht aus. Man braucht mehrere Werte, um einen Punkt im Koordinatensystem festzunageln. Genauso ist es bei Aktien und Dividenden. Wenn ich nur die aktuelle Dividendenrendite habe, sagt mir das nichts. Es kann sich um eine Schrottaktie oder eine Value-Aktie handeln. Ich brauche also mehr Daten. Das ist wichtig! Kauft niemals nur nach Dividendenrendite!


4 Schlüsselfaktoren



Es gibt bei der Aktienbewertung nach Dividendenkennzahlen für mich 4 Schlüsselfaktoren, wobei man gerne weitere (Umsatzwachstum, Gewinn pro Aktie etc.) ebenso nutzen kann.

Doch hier sind die Kennzahlen, die ich für die wichtigsten halte:

Dividendenrendite:

Diese Kennzahl ist wichtig, sie darf aber niemals das einzige Kriterium sein. Warum? Weil wir sonst nicht wissen, ob die Dividende nachhaltig und durch das Unternehmen finanzierbar ist. Was nützt es uns, wenn die Dividende letztes Mal prall war, nächstes Jahr aber gesenkt wird und ab übernächstem Jahr komplett ausfällt?

Was sagt uns die Dividendenrendite? Wie viel wir von unserem eingesetzten Kapital bei der nächsten Dividendenzahlung wiedersehen und wie viele Jahre eine solche Dividende ungeändert gezahlt werden müsste, bis wir unser Geld wieder drin hätten (bei 5% sind es 20 Jahre, bei 2,5% wären es 40 Jahre, wenn sich nichts ändert - kein Dividendenwachstum, keine Inflation etc.).

Ausschüttungsquote:

Die Ausschüttungsquote sagt uns, wie viel Prozent des Gewinns (wenn es denn Gewinn gibt!) eines Unternehmens ausgeschüttet werden müssen, um die Dividende zu bezahlen. Es gibt nicht zwingend eine gute und eine schlechte Ausschüttungsquote, es kommt auf die Branche / den Sektor an.

Manche Branchen zahlen generell einen hohen Prozentsatz ihrer Gewinne aus, weil sie als Unternehmen wenig Geld für Wachstum ausgeben. Dazu zählen häufig Energieversorger, Telekommunikationsanbieter und Immobilienunternehmen, darunter auch real estate investment trusts (REITs). Letztere sind sogar verpflichtet, mindestens 90 Prozent der Gewinne an die Aktionäre auszuschütten.

Manche Branchen zahlen eher geringe Prozentsätze aus, weil sie noch wachsen wollen. Dazu gehören häufig Technologieaktien und die meisten jungen Unternehmen. Dieses Bild kann sich aber in den nächsten Jahren auch noch ändern.

Was man zumindest beachten sollte: Je höher die Ausschüttungsquote, umso begrenzter ist die Möglichkeit des Dividendenwachstums. Wenn die Dividende also steigen soll, die Ausschüttungsquote aber schon sehr hoch ist, müsste das Unternehmen von Jahr zu Jahr höhere Gewinne machen, sonst stagniert die Dividende im besten Fall.

Bei einer geringen Ausschüttungsquote ist noch Raum nach oben da, selbst wenn die Gewinne nicht so schnell steigen sollten oder stagnieren. Dann wird einfach mehr vom Gewinn ausgeschüttet und der Dividendenfan ist zufrieden.

Dividendenwachstum:

Das Dividendenwachstum gibt an, wie schnell eine Dividende im Laufe der Zeit gewachsen ist oder in Zukunft voraussichtlich wachsen wird. Ich persönlich setze zwei Berechnungsmethoden ein. Zum einen rechne ich von Jahr zu Jahr, um das prozentuale Wachstum der Dividende zu erkennen, und bilde davon den Durchschnitt. Die zweite Methode ist, dass Dividendenwachstum von 5 Jahren zu berechnen, indem ich die Dividende eines beliebigen Jahres mit der Dividende 5 Jahre später vergleiche. Beide Methoden führen zu unterschiedlichen Ergebnissen, weil es bei Betrachtung mehrerer Jahre zusammen einen Zinseszins-Effekt gibt.

Hier einige Beispiele (fiktiv):

1999: 1,10 Euro
2000: 1,20 Euro
2001: 1,40 Euro
2002: 1,70 Euro
2003: 2,00 Euro
2004: 2,05 Euro

Ich sehe hier, wie sich die Dividende eines Unternehmens in den letzten Jahren entwickelt hat. Ich kann nun von Jahr zu Jahr rechnen, zum Beispiel so:

100:1,10*1,20=109,09
100:1,20*1,40=116,66
100:1,40*1,70=121,43

Ich sehe also, dass die Dividende von 1999 zum Jahr 2000 um 9 Prozent, zwischen 2000 und 2001 um 16,66 Prozent und zwischen den Jahren 2001 und 2002 um 21,43 Prozent gestiegen ist. Wenn ich diese Werte durch die Anzahl der Jahre teile, die ich vergleiche, kann ich ein Durchschnittswachstum errechnen:

(21,43+16,66+9,09):3=15,73

Im Durchschnitt sind also die Dividenden jedes Jahr um 15,73 Prozent gewachsen in einem 3-Jahres-Zeitraum.

Wenn ich die Gesamtsteigerung für 5 Jahre sehen will, kann ich zum Beispiel das Jahr 1999 mit dem Jahr 2004 vergleichen:

100:1,10*2,05=186,36

Die Steigerung der Dividende beträgt insgesamt 86,36 Prozent.

Ich kann anhand von eigenen Schätzungen oder den Schätzungen von Analysten die zukünftige Dividendenentwicklung abschätzen. Im gerade gezeigten Beispiel kann man entweder von Jahr zu Jahr hochrechnen oder eine Dividende in 5 Jahren vermuten.
Dabei sollte man sich die bisherige Dividendenentwicklung anschauen und konservativ in die Zukunft rechnen. Manchmal steigert sich die Dividende nicht mehr so krass wie früher, aber wenn das Unternehmen seit 20 Jahren seine Dividende in ähnlicher Weise gesteigert hat, wie dies in unserem Beispiel der Fall ist, dann könnte die Dividende in 5 Jahren sich vielleicht ähnlich entwickeln.

Wir haben vorhin 86,36 Prozent ausgerechnet. Sagen wir mal, wir vermuten in 5 Jahren eine Steigerung von nur 50 Prozent. Wir können also die heutige Dividende +50% rechnen und haben dann eine Dividende in 5 Jahren, die sehr konservativ gerechnet ist. Sagen wir, die heutige Dividende wäre 5 Euro, dann wäre die Dividende in 5 Jahren 7,50 Euro.

Man kann sogar die prozentuale Dividendenrendite für die Zukunft errechnen. Wenn 5 Euro heute bei einem Kaufpreis der Aktie von 100 Euro 5 Prozent entsprechen, dann sind 7,50 Euro Dividende in 5 Jahren bereits 7,5 Prozent auf den Kaufpreis!

Dividendenhistorie:

Alle Rechnereien sind sinnlos, wenn die Dividende nicht nachhaltig ist. Wir können zwar anhand der Dividendenhistorie nicht nachvollziehen, ob die Dividende in 5 Jahren noch brav gezahlt wird, aber eine sehr solide Dividendenhistorie sagt etwas darübr aus, ob das Unternehmen in der Vergangenheit treu seine Dividende gezahlt hat, ob es jemals Kürzungen gab und wie die Dividende in Krisenzeiten aussieht.

Ich empfehle, besonders auf harte Jahre wie 2008/2009 zu achten, denn damals gab es eine schwere Krise, und wenn ein Unternehmen auch damals stabil gezahlt hat und die Dividende zumindest nicht zu sehr gekürzt hat, ist das ein gutes Zeichen und drückt auch Wertschätzung gegenüber dem Aktionär aus. Je länger und makelloser eine Dividendenhistorie, desto transparenter ist die Dividendenpolitik des Unternehmens.


Wie man die Kennzahlen zusammensetzt



Ich habe jetzt mehrere Kennzahlen in den Raum geworfen, aber noch nicht komplett erklärt, wie man daraus eine Aktienbewertung machen kann.

Die Dividendenkennzahlen sind jedoch abhängig voneinander, wenn also mehrere Werte richtig schlecht sind, wird daraus klar, dass man die Aktie nicht kaufen sollte. Hier einige Überlegungen zur Bewertung:


  • Wenn die Dividendenrendite sehr schwach ist, die Ausschüttungsquote aber sehr hoch, ist das Unternehmen überbewertet und viel zu teuer. Beispiel: 60 Prozent des Gewinnes werden ausgeschüttet, aber die Dividendenrendite beträgt lediglich 3,2 Prozent.
  • Wenn die Dividendenrendite niedrig ist, und die Ausschüttungsquote ebenfalls, muss das Dividendenwachstum hoch sein, damit sich die Aktie lohnt. Beispiel: Ausschüttungsquote 25 Prozent, Dividendenrendite 1,9%, Dividendenwachstum von Jahr zu Jahr 20 Prozent. In diesem Fall kann die "persönliche Dividendenrendite" (yield on cost) in ein paar Jahren schon auf 3, 4 oder 5 Prozent steigen - das sollte man sich dann ausrechnen nach der Formel 100:Kaufpreis*zukünftige Dividende.
  • Die Dividendenhistorie ist ein Sicherheitsindikator ohne Garantie. Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Aber eine 25-jährige, 50-jährige oder noch längere Historie stabiler Dividendenzahlungen ist definitiv nicht wertlos. Ist die Dividendenhistorie sehr kurz, z.B. nur 10 Jahre, sollte als Gegenleistung für diese Unsicherheit zumindest ein hohes zu erwartendes Dividendenwachstum erkennbar sein.
Wann ist also eine Aktie gut bewertet für einen Kauf nach Dividendenmaßstäben? Wenn sie eine stabile, nachhaltige und wachsende Dividende zahlt, die in einigen Jahren dazu führen wird, dass wir unser Geld wieder drin haben, nach einer Zeit, die wir für angemessen halten.

Solange die Dividendenzahlung stimmt, ist es mir dabei egal, wie teuer das Unternehmen an sich vom Marktumfeld eingeschätzt wird. Meine Rechnung ist relativ simpel: Ich will mein eingesetztes Geld schnell zurückbekommen und in einigen Jahren (5, 10, 20 Jahren) einen dicken Batzen zurückbekommen. Jahr für Jahr. Eine steigende Dividende, die heute bei 2 Prozent losgeht, kann in 20 Jahren durchaus 25 Prozent jährlich wert sein. Das bedeutet, ich könnte alle vier Jahre mein eingesetztes Kapital wiederkriegen.

Wer ein Beispiel für dieses Dividendenwachstum sehen will, kann sich ja mal die Dividendenrendite von Warren Buffett für Coca Cola ansehen. Er hat in den 80ern günstig gekauft, und kriegt heute sein Geld alle paar Jahre nochmal rein, wieder und wieder. Wichtig: Er hat langfristig investiert und seine Hausaufgaben gemacht.

Natürlich sind das nur einige Kennzahlen. Aber sie helfen sicher, in Bezug auf Dividenden gute Kandidaten zu finden. Ich halte es außerdem für wichtig, echte Markennamen zu kaufen und richtig tolle Unternehmen, die noch in 50 Jahren da sein werden.


Nachtrag: Dividenden und Sparen



Es gibt noch einen Aspekt, den ich beachtenswert finde: und zwar die Frage, ob man eher hohe Renditen am Anfang und dafür langsames Dividendenwachstum oder niedrige Startdividenden und hohes Dividendenwachstum bevorzugen sollte.

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ich tue mich selber schwer damit. Man könnte zwar meinen:"Wenn ich das Geld jetzt nicht brauche, stecke ich lieber gleich alles in schnelles Dividendenwachstum bei niedriger Startdividende". Aber andererseits:"Wenn ich jetzt Renditen von 4-5 Prozent habe, bekomme ich jedes Jahr (ab jetzt!) viel Geld ausgezahlt, was ich reinvestieren kann".

Wer nur auf die Zukunft schaut, verpasst jetzt vielleicht den einen oder anderen Tausender, den er für später noch einmal investieren könnte. Wer aber nur REITs, Energieversorger und Telekom kauft, hat vielleicht dafür in 20 Jahren nur 10 Prozent Rendite und nicht 25 Prozent. Man muss also abwägen.


Nachtrag 2: Auslandsdividenden



Es gibt noch einen zweiten Gedankengang, und zwar die Frage, wie ich mein Anfangsvermögen anlegen sollte. Gerade wir deutschsprachigen Anleger bekommen oft amerikanische Aktien genannt, die toll sein sollen fürs Dividendenwachstum und die als "Dividendenaristokraten" bezeichnet werden. Alle Welt schwärmt von Coca Cola, McDonald's, Procter & Gamble und anderen.

Es gibt bei ausländischen Aktien jedoch das Problem, dass meistens Quellensteuer anfällt. Die jedoch ist meines Wissens nicht mit dem Steuerfreibetrag vereinbar. Wir zahlen also auf die Quellensteuer immer Steuern, auch wenn wir eigentlich einen Steuerfreibetrag hätten.

Eine Einzelperson hat in Deutschland den Freibetrag von 801 Euro, als Verheirateter hat man sogar 1602 Euro pro Jahr. Es wäre also eine Überlegung wert, zuerst solange in quellensteuerfreie Aktien zu investieren, bis man diesen Freibetrag ausschöpft. Das kann man zum Beispiel mit Aktien aus Deutschland, Brasilien, Singapur oder Großbritannien schaffen. Sobald man seinen Freibetrag voll ausschöpft, ist es dann egal, ob man amerikanische oder deutsche Aktien kauft.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Stop Loss Orders Sind Quatsch!

Bis vor ein paar Wochen habe ich immer brav Stop Loss Orders gesetzt. Ich habe ja in meinem Leben schon eine Menge Börsenbücher gelesen, und es hat sich quasi als ein fester Glaubenssatz etabliert, dass ein Stop Loss immer vernünftig und klug sei, und dass ein Verzicht auf den Stop Loss gefährlich und dumm sei.

Ich habe mich inzwischen entschieden, auf Stop Loss Orders komplett zu verzichten. Und nun möchte ich erklären, weshalb.


Viele Anlagestrategien laufen dem Stop Loss zuwider



Es gibt einige Strategien an der Börse, die in Verbindung mit einem Stop Loss Sinn machen. Hier einige Beispiele:


  • Aktienkäufe in Hinblick auf technische Merkmale
  • Verlustbegrenzung im Urlaub, für den Fall eines radikalen Crashes
  • Letzte "Notbremse" an einer Grenze, ab der man die eigene Vision des Aktienverlaufs als gescheitert erklärt (diesen Stop Loss überlegt man sich zu Beginn der Investition, so dass man nachher nicht von Emotionen überrannt wird!)
  • Absicherung eines bereits erwirtschafteten "Papiergewinns" (Die Aktie befindet sich bereits stark im Plus, z.B. über 20 Prozent vom Kaufwert)

Allerdings liegt sogar bei diesen Überlegungen der Fehler schon im Detail. Hier meine Erkärung dazu:

  • Was ist, wenn es zu erheblichen Kursschwankungen kommt, der Kurs sich aber wieder radikal erholt, wenn man gerade "rausgeschmissen" bzw. "ausgestoppt" wurde?
  • Ab wann gilt eine Investition überhaupt als gescheitert? Kann man das schon nach einer Woche, einem Monat, einem halben Jahr sagen?
Das Problem beim Stop Loss ist, dass er im Prinzip jederzeit greifen kann, auch bei einer an sich tollen Aktie auf Sicht von 2-10 Jahren. Wenn also Alibaba, Tencent oder Paypal tolle Aussichten hatten, aber 4 Wochen nach meinem Kauf bereits in den Stop-Loss-Bereich gerutscht sind, war das jeweilige Investment für mich faktisch gescheitert und ich habe mich gewundert, was da falsch gelaufen war. Meine jetzige Erkenntnis: Nicht die Wahl der Aktie war falsch, ich habe mich einfach an das Gesetz des Stop Loss gehalten, und das war Quatsch.

Was man beachten muss, ist, dass es Szenarien gibt, in denen ein Stop Loss schlichtweg totaler Quatsch ist. Darunter befinden sich einige der häufigsten und beliebtesten Strategien:

  • Value Investing nach Warren Buffett (Solide Unternehmen, günstiger Einstiegspreis, Sicherheitsmarge für Fehleinschätzungen, Erfolge auf lange Sicht)
  • Dividendeninvesting (Geldeinnahmen durch Dividende, nicht durch Aktienverkäufe)
  • Growth Investing (Großes Gewinnwachstum, was auch auf lange Sicht sein kann - 3, 5 oder 10 und mehr Jahre)
Bei diesen Strategien fährt man auf einem großen Dampfer durch sehr stürmische Meere, aber es ist eben ein großer Dampfer, der stabil im Meer schwimmt und eine lange Reise vor sich hat. Ein Stop Loss kann hier richtig ärgerlich sein. Wenn man seine Zahlen analysiert hat und weiß, was man erwartet, dann sorgt ein Stop Loss genau für das Gegenteil dessen, was man möchte. Und das ist...


Stop Loss = Kaufe Teuer, Verkaufe Billig



Der Stop Loss sorgt für eine Verkehrung des Prinzips "Kaufe günstig, verkaufe teuer". Wenn man eine Aktie kauft und einen Stop Loss bei 10 oder 20 Prozent unter dem Kaufwert legt, heißt das, dass man automatisch verkauft, wenn dieser Fall eintritt. Was hat man dadurch wirklich gewonnen? Eigentlich nichts, es sei denn, man ist sich absolut sicher, dass dieser Preisverfall bedeutet, dass man falsch lag mit dem Kauf. Das muss aber gar nicht der Fall sein, denn Schwankungen sind möglich, und Marktcrashes müssen sich nicht zwingend auf das Unternehmen beziehen, in das man investiert ist.

Es gibt noch ein Problem beim Stop Loss, und diese leidige Erfahrung musste ich beim Crash im Februar 2018 machen.


Crash in Amerika, Stop Loss in Deutschland



Ich hatte vor einigen Wochen noch Aktien von Wirecard. Eigentlich eine tolle deutsche Aktie mit großen Chancen für die nahe und ferne Zukunft. Und ich bin mir auch heute noch sicher, dass die Aktie eines Tages mal richtig gut sein wird und die Hoffnungen belohnen wird.

Mein Problem bei Wirecard war, dass ich an sich einen guten Stop Loss gesetzt hatte, und so meine Verluste quasi auf Plus Minus Null begrenzt hätte. Das Problem aber: Der Crash geschah nachts an der Wallstreet, und als ich dann morgens aufstand, waren die Kurse bereits unten, so dass mein Stop Loss erst nach ein paar Stunden bei Xetra in Deutschland greifen würde. Es gab also gar kein Handelsfenster in der Zeit, als die Kurse sanken. Der Stop Loss war wertlos.

Ich musste dann selber entscheiden, was ich tun würde, was in einer solch emotionalen Situation nach einem Crash natürlich gefährlich ist. Ich habe dann in Panik bereits vorbörslich bei Lang und Schwarz zum denkbar ungünstigsten Moment verkauft, in der Annahme, dass ein riesiger Crash bevorstehen würde. Das Gegenteil war der Fall, die Aktie erholte sich im Laufe des Tages um über 5 Prozent.

Ich habe später Wirecard nochmal nachgekauft und meinen Verlust ein kleines Bisschen korrigiert, aber jetzt weiß ich, dass ich mich nicht ständig vom Auf und Ab an der Börse verrückt machen lassen will (Stichwort: Dividendenstrategie, mehr dazu in einem anderen Beitrag).


Fazit zum Stop Loss



Der Sinn des Stop Loss ist, zu greifen, wenn man selbst gerade nicht reagieren kann, oder zu schützen, wenn eigene Emotionen zu Fehlverhalten führen können. Das ist an sich korrekt.

Wenn der Stop Loss aber lediglich Verluste einbringt, obwohl man einen Investitionshorizont von mehreren Jahren hat, oder sowieso nur die Dividende will, oder ähnliches, dann sollte man die Regel vom zwingenden Stop Loss nicht zu religiös einhalten. Denn letzten Endes kostet der Stop Loss Gebühren und erklärt eine Investition de facto für beendet.

Wenn man also sowieso in der Aktie investiert bleiben will, ist eine Stop Loss Order Quatsch.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Quellensteuer USA Einfach Erklärt! Mit Beispiel

Lange Zeit habe ich um amerikanische Aktien einen großen Bogen gemacht oder nur Wachstumsaktien ohne Dividendenausschüttung gekauft. Der Grund war, dass ich Angst vor der vermeintlich komplizierten Besteuerung hatte, die möglicherweise viel Bürokratie oder verschenktes Geld bedeutet hätte.

Jetzt jedoch habe ich mich mal informiert und bin viel schlauer. Die Quellensteuer in den USA ist für Dividenden eigentlich ziemlich einfach und sogar unbürokratisch, man muss nur verstehen, wie sich alles errechnet. Daher will ich mit Beispielen arbeiten.


Beispiel Deutschland



Ich fange erst einmal mit den Grundlagen in Deutschland an, bevor ich Beispiele mit amerikanischen Aktien und deren Dividenden bringe. Außerdem verzichte ich auf Sparerfreibeträge, wir tun also so, als ob wir normal besteuert werden müssten. Ich lasse auch den Solidaritätszuschlag (soll abgeschafft werden) und die Kirchensteuer weg.

Folgendes Beispiel: Wir sind Deutsche, leben in Deutschland und haben eine deutsche Aktie im Depot - das Depot kommt von einem deutschen Anbieter. Das Unternehmen zahlt eine Dividende in Höhe von 100 Euro. Darauf entfallen 25 Prozent Abgeltungssteuer.

Also: 100-25=75.

Wir haben 75 Euro übrig und haben unsere gesamte Schuldigkeit in Bezug auf Steuern auf Kapitalerträge getan, egal, wie viel Einkommen wir aus Arbeit oder sonstigen anderen Einkommensarten haben (Stand 2018 - ich hoffe, die Politik schraubt nicht daran herum). Das war's.


Beispiel USA



Jetzt wird es erst spannend. In den USA gibt es bekanntlich eine Quellensteuer, das heißt, Amerika möchte gerne etwas vom Kuchen abhaben. Zunächst möchte ich ganz bewusst eine falsche Berechnung als Beispiel bringen, um zu zeigen, warum ich in Bezug auf amerikanische Dividenden verwirrt war.

Ich bin davon ausgegangen, dass die US-Quellensteuer 30 Prozent beträgt. Weiterhin bin ich davon ausgegangen, dass 15% auf die deutsche Abgeltungssteuer anrechenbar sei. Das, für sich genommen, hätte dann Folgendes bedeutet:

100 Euro Dividende
-30% Quellensteuer (von 100 Euro)
-25% Abgeltungssteuer (von 100 Euro)
Aber: statt -25% Abgeltungssteuer nur 10% Abgeltungssteuer, weil 15 Prozentpunkte von der US-Quellensteuer schon anerkannt werden

Nach dieser Rechnung hätte man folgendes Beispiel:

100-30-10=60
Damit wäre eine amerikanische Dividende, egal wie toll das Dividendenwachstum wäre, jedes Jahr ziemlich stark beschnitten.

Das Beispiel ist jedoch falsch!

Der Grund dafür liegt nicht daran, dass das Berechnungsweise an sich falsch wäre, sondern wir haben eine wichtige Tatsache vergessen, die oft unerwähnt bleibt und Neulinge wie mich verwirrt.

Die Verwirrung gründet daher, dass man oft von 15% redet, aber in unterschiedlichen Zusammenhängen:


  • 15% ist der Anrechnungsbetrag, den das deutsche Finanzamt auf ausländische Quellensteuer anrechnet
  • 15% ist aber auch der ermäßigte Quellensteuersatz für Nicht-US-Personen!
Aufgepasst: Wenn man (was für die meisten Menschen, die das hier lesen, zutreffen dürfte) als Deutscher in Deutschland lebt und ein Deutsches Broker-Konto hat, kann man einen reduzierten Satz an Quellensteuer zahlen, das heißt, man muss von vornherein nur 15% Quellensteuer von der Dividende bezahlen, und diese 15% werden dann auch gleich bei der Abgeltungssteuer berücksichtigt. Ich erkläre das gleich noch weiter. Erstmal das korrekte Rechenbeispiel:

100 Euro Dividende
-15 Euro Quellensteuer USA
-10 Euro Abgeltungssteuer (10 Euro Abgeltungssteuer und 15 Euro Quellensteuer entspricht zusammen 25% der erforderlichen Abgeltungssteuer nach deutschem Recht)

Wir behalten also 75 Euro, was genau dem Betrag entspricht, den wir behalten dürften, wenn es eine deutsche Aktie ohne Steuerfreibetrag wäre.

Jetzt noch einmal zu der Ermäßigung. Hier fängt ja wieder die Frage an: "Ist das nicht zu kompliziert mit dem Beantragen und so?"

Interessanterweise nicht, zumindest dann nicht, wenn man bei seinem Broker bereits automatisch die richtigen Formulare ausgefüllt hat.
Ich bin beim SBroker, da war es so, dass bei meiner Depot-Anmeldung viele Formulare auszufüllen waren, die sich damit beschäftigten, wo ich ansässig bin, ob ich die amerikanische Staatsbürgerschaft habe, ob ich sonstige enge Verbindungen in die USA habe und so weiter. Darunter war sogar ein in englischer Sprache verfasstes Dokument mit dem wichtigen Namen W-8Ben - und diesen Formulartitel sollte man sich merken!

Es gibt einen Link von der ComDirect Bank, der alles ziemlich gut auf den Punkt bringt: US-Steuerformular. Das Formular W-8Ben ist ein original amerikanisches Formular, welches von Behörden aus den USA benutzt wird, um festzustellen, ob beispielsweise Amerikaner aus dem Ausland heraus Erträge machen. Wenn den amerikanischen Behörden dieses Formular nicht zur Verfügung gestellt wird, vermuten sie das Schlimmste und berechnen 30 Prozent Quellsteuer.


Was man also prüfen sollte: Hat man bei seiner Anmeldung beim Broker schon dieses W-8Ben Formular ausgefüllt? Wenn ja, dann sollte bei der Auszahlung von Dividenden aus den USA bereits der "korrekte" Betrag ausgezahlt werden, ohne dass man sich Sorgen um Bürokratie oder verschenktes Geld machen muss.


Zusätzlich zu beachten



Hier noch ein paar Infos, die man in Hinblick auf die Quellensteuer aus den USA berücksichtigen sollte:


  • Der jährliche Sparerfreibetrag (801 Euro für Alleinstehende, 1602 Euro für Ehepaare) wird meines Wissens bei der Quellensteuer nicht berücksichtigt, man zahlt also Quellensteuer so, als hätte man den Freibetrag schon ausgeschöpft. Es ist daher möglicherweise empfehlenswert, wenn man den Freibetrag auf anderem Weg, zum Beispiel durch deutsche Zinsen oder deutsche Dividenden, ausnutzt
  • Wie bereits erwähnt, habe ich den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer absichtlich außen vorgelassen, weil ich mich nicht zu sehr mit rechtlichen Aspekten verheddern will. Ich würde mal vermuten, dass der Soli und die Kirchensteuer separat gesehen werden und sich in ihren prozentualen Kosten an der vollen Dividende orientieren. Möglich ist, dass der Soli aber schon bald abgeschafft wird und dass Leute, die das hier lesen, gar nicht in der Kirche sind.
  • Amerikanische Aktien haben oft ein höheres Dividendenwachstum als deutsche Aktien, außerdem ist die amerikanische Börse stärker frequentiert, hat einen dicken Batzen am Kapitalmarkt und sorgt zusätzlich für Diversifikation.
  • Es ist ein gewisses Währungsrisiko zu beachten. Amerikanische Aktien basieren auf dem US-Dollar, das heißt, dass eventuelle Kursgewinne oder auch Dividendenwachstum leiden können, wenn die Heimatwährung der Aktie (also der US-Dollar) im Vergleich zum Euro schwächelt. Meines Wissens gilt das sowohl bei Kauf der Aktie auf einem deutschen Handelsplatz, als auch beim Kauf an einer amerikanischen Börse.
  • Man sollte auf jeden Fall prüfen, ob der eigene Broker sich um die korrekte Besteuerung kümmert (ob er das W-8Ben Formular nutzt und die korrekte Dividende überweist). Wenn man sich nicht sicher ist, kann man auf der Internetseite des eigenen Brokers mal bei den Formular-Downloads suchen.


Ich hoffe, dass ich anhand der Beispiele erklären konnte, warum die Quellensteuer aus den USA doch nicht so schlimm ist, weshalb die 30%-Regel für uns Deutsche (Türken, Russen etc.) nicht gilt (nach Antrag durch W-8Ben beim Broker) und weshalb daher alles, was für durch Dividenden verdienen, mit 25 Prozent Steuern abgegolten wird.

Was andere Staaten angeht: Es gibt einige Länder, die erfreulicherweise überhaupt keine Quellensteuer erheben, darunter sind momentan (Stand Feburar 2018) Brasilien, Singapur, Großbritannien, Indien, Zypern und eine Reihe weiterer Staaten. Das heißt: Wir zahlen ganz normal Abgeltungssteuer und werden von den ausländischen Behörden nicht belästigt. Dies gilt für Aktien, deren Unternehmen ihren Unternehmenssitz in diesen Ländern haben (der Handelsplatz ist egal).

Sehr viele Länder haben jedoch mit Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen und noch dazu geringe Quellensteuern, so dass man in vielen Ländern eine volle Anrechnung auf die deutsche Abgeltungssteuer erreichen kann. Es gibt aber auch Ausnahmen. Hilfreich finde ich die Listen der deutschen Behörden, die man sorgfältig studieren sollte. Wie das im Einzelnen abläuft, muss man dann jedoch Land für Land selber recherchieren. Es ist möglich, dass hier tatsächlich Komplikationen auftreten, vor allem wenn manche Länder ganz gerne in ihrer eigenen Sprache kommunizieren.

Wenn es Kommentare gibt, freue ich mich. Alle Angaben ohne Gewähr, ich glaube aber, alles verstanden und richtig wiedergegeben zu haben.

Sonntag, 31. Dezember 2017

Es Zählt Nur Die Rendite

Hier noch ein Gedanke, der mir immer wieder kommt...

Oftmals ist es so, dass man beim Scannen von Aktien (zum Beispiel mit dem Onvista-Aktien-Finder) so viele schöne Kandidaten findet, dass man sein Geld am liebsten überall anlegen möchte. Und auf den ersten Blick macht das ja nach der Strategie "don't put all your eggs in one basket" Sinn. Aber es liegen dann oft einige Denkfehler vor.

Fehler #1: Unternehmensverliebtheit

Mit anderen Worten: Unbedingt dabei gewesen sein wollen. Der Fehler hier liegt darin, dass man meint, man muss unbedingt Eigner von Aktien sein, die vermeintlich steigen. Die Wahrheit ist folgende: Es ist egal, ob man bei einem Unternehmen dabei ist, dessen Aktie 20 Prozent steigt, wenn man selber schon Aktionär eines anderen Unternehmens ist, was ebenfalls 20 Prozent steigt. Dies nur als Beispiel. Der Punkt ist: Ich kann die Aktien jederzeit kaufen, muss aber nicht "dabei sein". Am Ende zählt die Rendite meines Geldes, und die kann ich auf vollkommen unterschiedlichen Wegen haben, es muss nicht immer Unternehmen X sein, auch wenn es eine strahlende Zukunft vor sich hat.

Fehler #2: Zu viel Streuung

Ich kann Streuung gut verstehen, siehe oben. Ich habe die Erfahrung selber gemacht, dass man, wenn man zu viel Geld in einem Sektor (zum Beispiel Technologie) hat, starke Verluste machen kann. Es ist also sinnvoll, vollkommen unterschiedlich anzulegen. Eine Aktie eines deutschen Medizinunternehmens, eine Aktie eines amerikanischen Technologiekonzerns, noch eine Aktie von einem chinesischen Autobauer. So oder so ähnlich. Das ist maximale Streuung.

Was aber aus meiner Sicht übertrieben ist: 20 verschiedene Aktien zu haben. Das ist zwar ebenfalls eine tolle Streuung, aber ich frage mich, wer da den Überblick behält, es sei denn es ist ein Hauptberufler.

Wir normalen Menschen sollten uns auf einige wenige Werte fokussieren. Ja, mag sein, das Risiko der individuellen Aktie ist höher, aber mit den Renditechancen verhält es sich genauso. Mal ganz ehrlich: Natürlich hätte man 2017 sein Portfolio auf 20 Werte strecken können. Aber am Ende hatten die den meisten Erfolg, die Lufthansa hatten (bei großen deutschen Aktien zumindest). Alles andere ist Verwässerung, einer der Nachteile einer breiten Streuung. Orderprovisionen, zu viel Mischung aus Fehlkäufen und guten Käufen, und die totale Unübersichtlichkeit und Mangel an Intimität mit Unternehmen.... man lernt kein Unternehmen mehr richtig kennen.

Ich weiß, dass es manche etwas zu radikal finden, aber meine Sichtweise ist inzwischen: 5 Unternehmen in Aktien, das reicht. Und darunter vielleicht sogar ein gut geführtes Zertifikat von einem Wikifolio-Trader oder ein Index-Zertifikat.

Mittwoch, 29. November 2017

Neue Investition und gleich der Griff ins Klo

Ich bin seit letzter Woche, besonders aber seit Montag wieder zurück im Aktiengeschäft. Und zwei Tage später ärgere ich mich gleich wieder schwarz, nämlich am heutigen Mittwoch.

Zur Vorgeschichte: Ich hatte mich 2017 gar nicht mehr über Aktien informiert. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass bei meinem Arbeitgeber die Arbeitszeiten geändert werden, so dass ich morgens meine Strategie des "Nachrichtentradings" einsetzen könnte, bei der ich mich ziemlich wohl fühle und die auch sehr überschaubar ist.

Zwischenzeitig sah es dann nicht so aus, als ob sich meine Arbeitszeiten ändern würden. Hinzu kam dann noch, dass es beim SBroker, wo ich Kunde bin, seit einiger Zeit Gebühren für Nicht-Aktivität gibt, dass heißt, man muss zumindest Wertpapiere am Laufen haben, einfach nur einen gewissen Betrag auf dem Broker-Konto haben reicht nicht.

Dies brachte mich dazu, nun intensiv zu investieren, denn als ich mal wieder die Entwicklung der Aktienkurse sah, konnte ich meinen Augen nicht glauben: Viele DAX-Werte und andere nationale und internationale Aktien waren in den vergangenen 12 Monaten durch die Decke gegangen, nicht selten mit einem jährlichen Plus von 40, 60 oder (bei Lufthansa) über 100 Prozent.

Wenn man das mit einem Sparbuch vergleicht, lächerlich... und wir reden hier noch nicht einmal von Hochrisiko-Aktien, sondern von Amazon, Paypal oder eben Lufthansa.

Also lag für mich der Schluss nahe, dass es so weiter gehen könnte. Neulich kamen auch Nachrichten, dass sich führende Wirtschaftsexperten einig seien, der Aufschwung würde weiter anhalten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hier die Aktien, die ich spätestens am Montag (27.11.2017) in meinem Portfolio hatte:


  • Wirecard: Eine der erfolgreichsten deutschen Aktien. Ein Unternehmen, welches mit virtuellen Kreditkaren und anderen digitalen Überweisungsgeschichten Geld macht.
  • Paypal: Ähnlich wie Wirecard, im Prinzip der Gigant der Online-Bezahlungen schlechthin und im Prinzip ein Monopolist. Unternehmen aus USA.
  • Alibaba: Chinesisches Unternehmen, ein Mischkonzern mit Ähnlichkeit zu Amazon und Ebay, aber noch etwas vielfältiger. Sie sind ganz groß im Kommen.
  • Tencent Holdings: Noch eine chinesische Firma, ebenfalls E-Commerce. Hier habe ich nur einen geringen Betrag eingesetzt, es war aber eine der am stärksten gestiegenen Aktien der letzten 12 Monate.
  • Deutsche Lufthansa: Die Fluggesellschaft, die jeder Leser kennen dürfte. Wenn ich von heute vor einem Jahr rechne, hatten sie 130 Prozent Aktienwachstum! Wahnsinn. Die Pleite von Air Berlin soll dazu führen, dass sich die Preise vervierfachen, was sich auf die Gewinne auswirken sollte.
  • Data I/O: Eine Risiko-Aktie, die massiv gestiegen ist in letzter Zeit. Ich habe einfach darauf spekuliert, dass ich nach einer Woche oder einem Monat einen guten Batzen Geld haben würde, denn was soll schief gehen, wenn es seit über einem Jahr schon so gut lief?


So viel dazu. Jetzt zu meinem Problem, zwei Tage später. Ich hatte bei meinen Investitionen einen Fehler gemacht, den viele vielleicht schnell erkennen werden. Ich habe zu viele Technologie-Aktien gekauft.

An sich kein Problem, könnte man meinen, denn Alibaba, Paypal und Wirecard gehörten dieses Jahr zu den großen Gewinnern.

Doch leider haben die Großinvestoren heute entschieden, sich von ihren Sieger-Aktien zu trennen und sich neu zu orientieren fürs nächste Jahr. Man glaubt inzwischen eher, dass Bank-Aktien wie Goldman Sachs demnächst Entwicklungspotenzial haben. Im Gegenzug verlieren Aktien aus dem Technologie-Index Nasdaq, wie Amazon, Paypal und Apple viele Prozente. Auch der TecDax ist betroffen.

Tja, und ich ärgere mich. Bei Data I/O wurde ich schon ausgestoppt, habe die Aktie also nicht mehr, bei Alibaba und Paypal droht mir das gleicht Schicksal, wenn sich die Situation morgen nicht entspannt.

Besonders schwierig: Ich weiß nicht, was der Markt jetzt macht. Morgen sind zwei Szenarien möglich: Alle verkaufen weiter, weil man Panik hat und jetzt genau wie die Großinvestoren keinen glauben mehr an die High-Tech-Aktien hat. Oder es kommt der große Rückkauf, weil durch den "Rücksetzer" jetzt viele Aktien billiger geworden sind.

Mein einziger Trost: Durch den festgelegten Stop-Loss muss ich mich nicht selbst entscheiden, was richtig ist... ich muss es einfach nüchtern betrachten. Einen Wutanfall würde ich lediglich dann bekommen, wenn ich zuerst ausgestoppt werde und dann der große "Rebound"-Effekt kommt mit steigenden Kursen.

Dienstag, 3. Mai 2016

Zurück nach langer Pause

Ich habe seit Ende 2014 nichts mehr in diesem Blog geschrieben, was daran lag, dass ich im gesamten Jahr 2015 nicht mehr gehandelt habe. Mein letzter Trade Ende 2014 lief gut, ich habe bei Deutsche Annington (heißt inzwischen Vonovia) einen glatten Tausender gemacht, und das nur über einige Wochen.

Danach verkaufte ich diese Position. Ich legte eine Pause ein, da meine Frau BAFÖG-Bezieherin war und ich im Falle von Gewinnen alles hätte wegrechnen lassen müssen. Im Gegenzug hätte ich mit leeren Händen dagestanden, wenn ich Verluste eingefahren hätte, denn dann ist es eben persönliches Pech. Also eine Lose-Lose-Situation, in der man lieber auf die sichere Förderung setzen sollte.

Inzwischen habe ich mich wieder dem Aktienhandel zugewandt. Meine Strategie von damals bleibt bestehen: Ich will auf Nachrichten blitzschnell reagieren und schnelle Prozente machen. Was mir dabei helfen soll, ist ein Tablet und einige Apps, mit denen ich auch auf dem Weg zur Arbeit aktiv sein kann. Genau das war zuvor immer ein Problem gewesen, denn meine Strategie verlangt leider, dass man um 8:00 Uhr am Computer sitzt.

Was ebenfalls neu ist, sind neue Zertifikate auf dem Markt. Früher war ein 5-Fach-Zertifikat von der Commerzbank das Maß aller Dinge, wenn man auf Aktien mit Hebel-Faktor setzen wollte. Inzwischen gibt es bei einigen Aktien aber schon 8-Fach-Zertifikate. Das ist praktisch, denn einerseits hat man einen festen, verlässlichen Hebel, und andererseits bedeutet das, dass man noch mehr für wenig Marktbewegung bekommt.

Und das wiederum hat zwei Vorteile: Reagiert der Basiswert stark, hat man viele Prozente gewonnen. Beispielsweise geht eine Aktie um 5 Prozent hoch, so folgt ein 8-Fach-Zertifikat mit 40 Prozent im Optimalfall. Andersherum: Wenn die Wirkung einer Börsennachricht nicht so toll war (nur 0,5 Prozent Änderung auf den Basiswert), steigt das Zertifikat dennoch um 4 Prozent. Dadurch hat man den Spread und die Ordergebühren wieder drin.

Wichtig bei der Nachrichtenstrategie sind aber weiterhin einige Dinge:


  • Korrekte Auswahl und Interpretation (!) von Börsennachrichten
  • Gutes Timing
  • Eindeutige Marktrichtung (Long/Short) und starker Ausschlag in diese Richtung


Ich denke darüber nach, meine Erkenntnisse und mein Wissen in einem E-Book zu veröffentlichen. In der Zwischenzeit werde ich versuchen, ein paar gute Deals zu landen.

Montag, 1. Dezember 2014

Deutsche Annington: Beginn Eines Imperiums!

Die Deutsche Annington hat heute ein Übernahmeangebot an die Gagfah Group vorgelegt. Damit möchte der größte deutsche Vermieterkonzern den drittgrößten übernehmen und zu einem Miet-Giganten werden!

Die Aktie der Gagfah ist gleich mal in die Höhe gesprungen. Typische Reaktion bei einem Übernahmeangebot. Knapp unter 18 Euro, dem vorgelegten Übernahmepreis pro Aktie, hat sich das Gagfah-Wertpapier eingependelt. Gleichzeitig hat die Deutsche Annington Prozente eingebüßt. Der Grund: Die Übernahme kostet viel Geld. Hat nichts mit fehlender Zustimmung bei den Aktionären zu tun.

Jetzt stellen sich zwei Fragen: Soll ich Deutsche Annington kaufen? Oder soll ich Gagfah kaufen?

Hier einige Überlegungen dazu:

Bezüglich Gagfah: Theoretisch könnte sich ein Kauf lohnen, denn noch ist die Aktie für unter 18 Euro zu haben, und man würde ja dann profitieren, weil man sie für 18 Euro wieder los wird. Gleichzeitig ist man automatisch Anteilseigner der neu entstandenen Gesellschaft, wenn es soweit ist und man die Aktie noch behalten will. Jedoch Vorsicht: Kommt der Deal zwischen den beiden Wohn-Giganten nicht zustande, dann sackt die Gagfah-Aktie wieder auf ihr Ursprungsniveau herab.

Bezüglich Deutsche Annington: Der Kurs ist inzwischen um minus 3,5 Prozent gefallen. Warum, fragt man sich dabei. Der Grund ist der hohe Kaufpreis. Allerdings sehe ich für die Deutsche Annington nur Vorteile: Entweder, man kauft jetzt zu einem günstigen Preis ein Unternehmen, was nach Unternehmensangaben zum zweitgrößten Börsenunternehmen Europas (!) werden könnte... oder der Deal scheitert, wodurch die Aktie ja wieder steigen müsste, weil die Übernahmekosten wegfallen. Also entweder entsteht langfristig gesehen das größte Mietunternehmen Deutschlands und kassiert auf Jahre stabiles Einkommen, oder man kann einen schnellen Kursgewinn erreichen, wenn der Deal platzt.

Aus meiner Sicht lohnt sich der Kauf von Aktien der Deutschen Annington momentan sehr. Die Deutsche Annington war schon vor einigen Monaten ein toller Kandidat als zukünftige Dividendenaktie, deswegen griff ich zu und bin stolzer Besitzer dieser Aktien.

Ich meine, stellen wir uns doch folgendes vor: Wir haben es mit einem konjunturunabhängigen Unternehmen zu tun, von dem extrem viele Bürger in Deutschland abhängig sind... es geht nun mal um die Miete. Das ist ein sehr sicherer Hafen. Zusätzlich zahlen Wohngesellschaften gerne Dividende. Das liegt in der Natur dieser Unternehmen.

Die Deutsche Annington ist noch relativ neu an der Börse, aber ich habe mir immer gewünscht, dass es eben den einen Quasi-Monopolisten auf dem Wohnmarkt geben würde. So wie die Deutsche Post beim Briefverkehr, oder die Deutsche Bahn im Eisenbahngewerbe. Wie es aussieht, könnte der Wunsch wahr werden. Ist zwar nicht unbedingt gut für die Mieter, aber für Aktionäre sind die anstehenden Synergieeffekte eine tolle Sache!